Rollen und Rollenrotation im Einzelcoaching. Knackiger Einblick in ein Konfliktcoaching-Modul.

Einen Konflikt löst man, wenn man auf sein Gegenüber eingehen kann. Das bedeutet, dass man das versteht, was neben der Sache das eigentliche Thema ist. Ist die Konfliktsituation zweier Teammitglieder schon verhärtet, bieten Einzelcoachings gute Möglichkeiten, sich dem Gegenüber wieder anzunähern.

In Einzelcoachings zur Konfliktlösung wende ich mit Herzblut die Übung “Rollenrotation” an. Ich bin sehr von dieser Rollenarbeit überzeugt, da diese Übung ermöglicht, sich selbst und die eigenen Motivationen und Interessen klarer und vollständiger wahrzunehmen. Dadurch können die Positionen und verhärteten Sichtweisen über die andere Seite wieder als Gewinn erlebt werden.

Ich beschreibe die Übung als wärst Du in meinem Konfliktcoaching und ich bin Dein Coach. Am liebsten mache ich diese Arbeit in der Natur, denn Natur nimmt die Situationen an wie sie sind und dies fördert “nebenbei” Deine Resilienz.

Beschreibung des Konfliktcoachings

Auftakt

Beschreibe kurz (ca. 2 Minuten), worum es bei dem Konflikt, in dem Du mit jemandem stehst, geht.

  • Mit welchem Ziel gehst Du an diese Übung?

    D.h.: Beschreibe, was anders sein soll, wenn Du aus der Übung herausgehst.

Beginn der Rollenwechsel

  1. Suche Dir einen Platz und sprich von Dir: Welche Handlungen, Worte, Gedanken, Reaktionen kommen in diesem Konflikt aus Dir?

  2. Wechsle den Standplatz und gehe auch räumlich auf die Seite des Anderen und erzähle, was auf der Seite des Konfliktpartners geschieht: Welche Handlungen, Worte, Gedanken, Reaktionen kommen von dieser Seite?

  3. Nachdem Du dies illustriert hast, fange wieder auf Deiner Seite an und verstärke Deinen Standpunkt. Mache ihn groß:

    • Mache Dich in diesem Schritt frei davon, korrekt und fair oder gar mediativ sein zu müssen. Nutze stattdessen die Möglichkeit, durch diese Verstärkung besser zu verstehen, was Dich bwegt, welche inneren Bewertungen da sind.

  4. Wechsle nun wieder den Platz und stelle Dich auf die Seite des Anderen. Male aus, was von dieser Seite kommt, was sie bewegt, wie sie “tickt”. Verstärke auch diese Seite.

Weitere Wechsel

Wechsle mehrfach hin und her und drücke dabei jeweils die Vorwürfe und den Ärger der Seite, die Du gerade einnimmst, immer mehr aus.

Achte darauf, dass es ein Verstärken ist, so dass der Charakter des Konflikts und die Botschaften beider Seiten deutlicher werden.

Übertreibe so weit, bis du an den Punkt kommst, an dem sich eine weitere Verstärkung nicht mehr stimmig anfühlt.

Vertiefende Reflexion der Rollen

Welcher tiefe allgemeine Kern, der über Deinen Konflikt hinausgeht, liegt in diesen beiden Rollen? Anders gefragt: Was ist ihre Essenz, ihr Auftrag oder ihre Botschaft? Für welche generelle Frage stehen sie in der Welt? Hier möchte ich Dir ein paar Beispiele benennen:

  • Verwalter

  • Untertan

  • Pechvogel

  • Mauerblümchen

  • Lebenskünstler

  • Star….

Wie kommen diese Rollen in Deinem Leben vor und welche ist Dir im Moment näher?

Höhere Bewusstheit der beiden Rollen

Werde Dir darüber bewusst, wie dieser Konflikt auch Anteil am gesellschaftlichen Evolutionsprozess hat. Wie kann dieser Anteil den gesellschaftlichen Prozess unterstützen?

Beispiele dafür sind:

  • Gesetz und Gerechtigkeit

  • Veränderung und Bewahrung

  • Einheitlichkeit und Differenzierung

Du und ich in der Rollenrotation

Wir stellen uns auf je eine Seite und wir sprechen so miteinander, dass jeder von uns beliebig zwischen den Rollen wechseln kann.

Sobald Du einen Gedanken hast, der aus der anderen Seite entsteht, gehe hinüber und wechsle mit mir.

Dadurch erlebst Du, wie Du in beiden Rollen zuhause bist.

Bring dabei all Deine Erfahrungen aus den vorherigen Schritten mit hinein. Du spürst, dass die Rollen vollständig zutreffend ausgedrückt sind und keine Verzerrung oder Karikatur darstellen, denn Du kannst beide in ihrer Essenz und in ihrer Wichtigkeit anerkennen.

Andere Rolle unterstützen

Gehe noch einen Schritt weiter. Nimm “Deine” Rolle wieder ein und wechsle nach Belieben mit mir und unterstütze mich in meiner Rolle, wenn ich ins Wanken komme. Versuche zu genießen, dass Du sowohl beide Rollen einnehmen kannst als auch Dich von beiden Rollen distanzieren kannst.

Feedback und Fazit

Diskutiere Deine Erfahrungen aus dieser Übung mit mir und nimm’ mein Feedback, bei dem ich mich an die sogenannten Feedbackregeln halte, auf. Entwickle nun eine Vorgehensweise für Dich in diesem Konflikt, der Deine Zielvorstellung, die Du im 1. Schritt formuliert hast, unterstützt.

Bei dieser Übung arbeite ich nach dem Deep Democracy Institute von Max und Ellen Schupbach.

Meine Erfahrung zeigt: Durch die Übung können Konfliktbeteiligte vertieft verstehen, wodurch sie miteinander in den Konflikt geraten sind.

Der Kopf wird wieder freier, so dass eine neue Vorgehensweise erarbeitet werden kann.

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Anwendungs-Tipps zum “Flow-Feedback”

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Konkrete Flow-Tipps für Teams, Konflikten vorzubeugen oder sie in etwas Besseres zu verwandeln